Der Durchschnitts-US-Amerikaner verzweifelt immer öfter und stirbt früher.

in Deutsch von A bis Z3 months ago

Es ist/war Wahl in den USA und da werden dann auch gern mal kritische Studien auf die Bevölkerung losgelassen.
So hat eine Gruppe von Wissenschaftlern die Zahlen einer Krankenversicherung untersucht um herauszufinden wie sich der sogenannte "Tod aus Verzweiflung" (Deaths of Despair) in den Jahren 2009-2018 entwickelte.

Die Basis der Daten sind über 12.000.000 Patientendaten einer Krankenkasse wovon bei über 500.000 eine "Krankheit der Verzweiflung" (Diseases of Despair) diagnostiziert wurde.

Quelle

Ein Kritikpunkt an der Studie und wohl auch der Stärkste ist das alle untersuchten Daten von Menschen mit Krankenversicherung stammen. Wenn man bedenkt das bis zum heutigen Tage viele dutzende Millionen Amerikaner noch immer keine Krankenversicherung haben, muss man davon ausgehen das die Ergebnisse noch erschreckender wären hätte man Menschen ohne Krankenversicherung einbezogen.

Die Diagnose "Krankheit der Verzweiflung" steht dabei sehr oft in Zusammenhang mit Alkohol, Drogen, Medikamenten. Mit Alkohol verbundene Diagnosen stiegen im untersuchten Zeitraum um 37% an, Drogen und Medikamentenmissbrauch um 94%.
Andere Diagnosen z.b. durch suizidale Gedanken und andere Verhaltensweisen um 170%.

Die stärksten Veränderungen bzw. Zunahmen gab es bei Menschen die 55-74 Jahre alt sind und der Alkohol im Spiel war (+59%).
Die Gleiche Altersgruppe hat auch einen enormen Anstieg bei Drogen und Opiode (+172%).
Auffällig in Zusammenhang mit Suizid & Suizidgedanken waren die unter 18 Jährigen (+287%) und die Altersgruppe 18-34 (+210%).

In absoluten Zahlen führt der Alkohol als Problemträger Nummer eins knapp vor Drogen/Medikamentenmissbrauch und nur 16% mit suizidalen Verhaltensweisen. Kombinationen dieser Problemverschärfer gab es natürlich auch.

Die Im Titel angesprochene zurückgehende Lebenserwartung fußt großteils auf die Entwicklung bei Weißen US-Amerikanern. Das hängt vor allem mit der Opiod-Krise oder Epidemie zusammen. Aktuell sind Zehntausende Menschen von Schmerzmitteln auf Opiumbasis abhängig, wenn sie keine Mittel mehr verschrieben bekommen wechseln sie zumeist auf Heroin oder Fentanyl.

Im Jahr 2017 starben 130 Menschen pro Tag an Opioden in den USA.

Manche behaupten das Trump bei der Wahl 2016 auch deshalb gewann weil Betroffene dieser Krise ihn als Retter auf dem Schirm hatten. Ob wahr oder nicht ist im Grunde egal da der Mann nur Dinge in Angriff genommen hat mit denen er unmittelbar zu tun hatte oder gezwungen wurde zu handeln. Am Ende war es oft nur "Meinung proleten".

Die Entwicklung bei uns.

In Deutschland gibt es natürlich auch zum Thema wissenschaftliche Untersuchungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. kurz DIW Berlin hat selbiges Problem mit Zahlen zwischen 1991 bis 2015 untersucht.

Das Fazit der Untersuchung ist größtenteils das Gegenteil dessen was im gleichen Zeitraum in den USA passiert ist.
Die Zahlen bei "Tod durch Verzweiflung" sind stetig zurück gegangen, sowohl in absoluten Zahlen wie prozentual.
Das gilt auch für alle Teilbereiche wie Alkohol, Drogen und Suizid. Die positive Entwicklung lässt sich übrigens in ganz Deutschland also Ost wie West ablesen und er ist rückgängig bei Männer wie Frauen.

Als Hauptgründe wird vor allem unser Sozialsystem angeführt das bei ökonomischen und gesundheitlichen Schwierigkeiten das gröbste auffängt.
Der wohl einzige Wermutstropfen ist die Tatsache das noch immer ein deutlicher Unterschied zwischen Ost und West in den Zahlen erkennbar sind.

Wen die Materie interessiert, dem verlinke ich die beiden Studien im Anschluss:

Trends in the diagnosis of diseases of despair in the United States, 2009–2018: a retrospective cohort study

Todesfälle durch Suizid, Alkohol und Drogen sinken deutlich bei Männern und Frauen in Ost- und Westdeutschland

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Sehr interessante Studien und hervorragend von Dir zusammengefasst.

LG Michael

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